Scharlhof - die Geschichte
Die erste, zurzeit bekannte, schriftliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1649, also ein Jahr nach Beendigung des 30-jährigen Krieges.
Haus- und Hofnamen stammen zum Teil von Vornamen und Familiennamen früherer Besitzer, z.B. Michlbauer, Hanslbauer, Schadlbauer, Sedlbauer, Jackerbauer usw.
Auf dem Scharlhof in Röhrmoos ist 1649 ein Sebastian Schädl erwähnt.
Als die Ehefrau Maria starb bekamen die sechs Kinder insgesamt 800 Gulden Muttergeld.
Zweite Ehe mit Barbara Hörl.
Nach dem Tod von Andreas Massinger heiratet die Witwe Georg Westermayr.
Bartholomäus übernimmt den Hof von seinem Stiefvater mit 6 Rössern, 18 Rindern, 4 Wägen usw. und heiratet Barbara Mayr.
übernimmt den Hof von seiner Mutter und heiratet Rosina Dürr.
übernimmt den Hof von seinem Vater und heiratet Maria Mayr.
„Schadlbauer“ von Schönbrunn, kauft den Hof für 3500 fl.
Er heiratet Walburga Sedlmair am 23.09.1806.
Kam von ihm der Name „Scharl“?
Der Sohn des Sebastian wird als Hofinhaber erwähnt.
Es fand diesem Zeitpunkt wahrscheinlich die Zertrümmerung des Scharl-Anwesens statt.
vom „Redler“ Schönbrunn kauft das Grundstück 16.2. am 29. 09. 1876. Über dessen Größe ist nichts bekannt. Es soll der Pferdestall des Scharlhofes gewesen sein und 11 Tagwerk landwirtschaftlicher Grund.
Möglicherweise sind es die Hausnummern 16½ (Katzl Georg im Jahr 1965) und 161/3 (Katzl Maria im Jahr 1965).

Amalie Hohenester
Amalie und Benedikt Hohenester kauften am 21.07.1876 einen Ausbruch vom Scharl-Hof, das sog. „Hintergut“ (676 Dezimalien, circa 23.000 m²) vom Privatier Thomas Glas, Bevollmächtigter des Miteigentümers vom Scharl-Hof mit Namen Josef Tretter, Wirt in Dürneck bei Freising (Notariat Dachau 1876 / Nr. 1358, Notar Karl Pfaffenzeller). Vier Wochen nach dem Kauf reichte Benedikt Hohenester bei der Gemeinde Röhrmoos eine Voranfrage für eine Gast-stättenkonzession ein. Das kgl. Bezirksamt Dachau genehmigte am 9. Okt. 1876 den Gaststättenbetrieb. Hohenester selbst wollte die Wirtschaft nicht betreiben, sondern stellte dafür einen Pächter ein. Als Wirtschaftsführer hatte Benedikt Hohenester Wolfgang Birk von Holzkirchen verpflichtet. Das Dorf Röhrmoos hatte also ab diesem Zeitpunkt eine zweite Dorfwirtschaft! Das ausgeschenkte Bier wurde natürlich in Mariabrunn gebraut. Noch im Jahr 1876 wurde der Neubau eines landwirtschaftlichen Gebäudes (größerer Kuhstall) geplant und realisiert.
Wirt und Metzger kauft den Scharl-Hof.
Josef Helfer wurde am 21. Juli 1849 in Weil(b)ach geboren.
Josef und Katharina Helfer
Dieses Datum ist dem Heiratsbuch des Röhrmooser Standesamtes entnommen.
Beim Geburtsort „Weilbach“ ist man nicht ganz sicher, da das Wort sehr schlecht leserlich ist.
Josef Helfer heiratete am 22. Juli 1878 in Röhrmoos die Gütlerstochter Katharina Dallmair.
Sie stammte aus dem „Mesner-Anwesen“, Hausnummer 19 in Röhrmoos, geboren wurde sie am 19. November 1859.
Josef Helfer war vor dem Ankauf des „Scharl-Hofes“ beim Gastwirt Mathias Palmberger in Röhrmoos-Station (später Weinsteiger) als Hausknecht, Metzger und Kutscher beschäftigt.
Nebenbei sei erwähnt:
Mathias Palmberger war der erste Siedler in Röhrmoos-Station 1866/67.
Helfer fuhr oft Kurgäste mit Pferdekutschen von Bahnhof Röhrmoos zur „Doktorbäuerin“ Amalie Hohenester nach Mariabrunn.
Zu beachten ist, dass ohne eine Beförde-rungserlaubnis ein Stellwagenverkehr zum Bad Mariabrunn nicht gestattet war.
Das Geschäft mit der Kutscherei zur Doktorbäuerin blühte, und die Gäste sparten bestimmt nicht am großzügigen Trinkgeld für den Kutscher!
Durch diese Tätigkeit, verbunden mit großer Genügsamkeit, sparte er so viel Geld an, dass er den Scharl-Hof kaufen konnte.
Er muss sich aus sehr kleinen Verhältnissen hochgearbeitet haben, denn es wird berichtet, es sei den Eltern seiner Frau Katharina gar nicht recht gewesen, dass sie sich mit einem „Knecht“ anfreundete.
Josef Helfer betrieb auf dem Scharl-Hof die Gastwirtschaft weiter. Er verkauft an Johann Georg Kammerloher aus Griesbach und erwirbt das Wirtshaus in Großberghofen.
Geboren am 26. November 1860 in Griesbach kauft den Scharl-Hof.
Er heiratete Magdalena Müller, geb am 14. Dezember 1868 in Erlhausen am 7. Februar.
Neun ihrer Kinder starben im Alter bis zu sechs Monaten.
Als einzige Tochter ist Maria, geb. 21. März 1899, bekannt.
Magdalena Kammerloher starb mit knapp 35 Jahren am 21. Oktober 1903.

Familie Griebler erwirbt den Scharlhof. Die Grieblers hatten vorher das „Wilmo-Gütl“ in Röhrmoos.
Herr und Frau Griebler
Die einzige Tochter der Familie Griebler ist sehr jung (22 Jahre) verstorben.
Lorenz und Maria Hefele sind zwei von insgesamt sieben Kindern, deren Eltern auf tragische Weise ums Leben kamen. Die Grieblers waren eine verwandte Familie zu den verunglückten Eltern.
Sie nahmen die beiden Waisenkinder auf dem Scharlhof in Röhrmoos liebevoll auf.
Ein tragisches Unglück ereilte die Eltern der Familie Hefele und deren sieben Kinder.
Der Vater von Lorenz und Maria Hefele wurde am 20. August 1903 bei der Arbeit auf seinem Hof in Aufhausen 22, „Kropfgütl, Matheis" von einem Ross erschlagen.
Therese, die Mutter der sieben Halbwaisenkinder, stürzte kurze Zeit später auf die Tenne und starb an den Folgen der Verletzungen am 27. Oktober 1903.
Ein Baumeister (Verwalter) wurde einge-setzt, der jedoch hauptsächlich in die eigene Tasche wirtschaftete.
Als ein Verwandter zur Kontrolle auf den Hof kam und die Zustände sah, war er so geschockt, dass er einen Schlaganfall bekam und tot umfiel!
Der Hof wurde nun verkauft.
Doch der Erlös wurde leider durch die Inflation 1923 vernichtet.
Die sieben Kinder wurden nun verteilt.
Hans, der älteste der Kinder, kam nach Mering bei Augsburg, Sepp nach Großberghofen, Martin nach Eichhofen (später nach Baiernrain), Schorsch nach Niederroth und Theresia nach München.
Wie schon erwähnt, fanden Maria und Lenz in Röhrmoos bei der Familie Griebler ein neues Zuhause.
übernimmt den Scharl-Hof von seinen Pflegeeltern.
Am 9. September hat er, vermutlich zu diesem Zeitpunkt, Magdalena Winterholler geheiratet.
Lorenz Hefele ist 1895 in Aufhausen geboren und 1968 verstorben. Er versah lange Jahre in der Pfarrei Röhrmoos den Mesnerdienst.
Magdalena Hefele, geborene Winterholler, ist 1897 in Pasenbach geboren und 1979 in Röhrmoos gestorben.
Von links: Magdalena, geb. Winterholler; Maria, Schwester; Lorenz jun.; Lorenz sen.
Der Scharl-Hof 1976
Lorenz Hefele starb 1985 ganz überraschend mit 56 Jahren.
Nach dem plötzlichen Tod des Vaters übernimmt 1986 die Tochter Rosa, geb.1959, mit ihrem Ehemann Arthur Stein den „Scharlhof“.
Der Scharl-Hof 1986
Arthur und Rosa Stein änderten die normale Landwirtschaft zu einem biologisch anbauenden Hof mit direktem Verkauf der erzeugten Produkte.
Rosa und Arthur Stein
Anfangs der 90-er Jahre wurde der Entschluss gefasst, mit dem Hof auszusiedeln.
Ein geeignetes Grundstück bot sich circa 400 m nördlich von Röhrmoos- Dorf an.
Etwa 33 Tagwerk Eigengrund und circa 300 Tagwerk Pachtgrund werden bewirtschaftet.
übergaben Rosa und Arthur Stein den „Neuen Scharlhof“ an ihren Sohn Johannes Stein und dessen Ehefrau Constanze Feneis.